Ich habe mir mal die Mühe gemacht, ein paar nützliche Programme und Tipps zu sammeln, die helfen sollen die eigenen Fotos unter Linux zu verarbeiten.
Beschrieben werden hier die Schritte vom Herunterladen der Fotos auf den Computer, über’s Bearbeiten bis zum Betrachten und Verwalten der Fotos.
Eingesetzt wird ausschließlich freie Software.
Bilder von der Kamera laden
Hierfür gibt es das Tool gphoto2.
Installation
gphoto2 sollte in jeder Distribution über einen Paketmanager installierbar sein, ansonsten gibt es Quellpakete auf der Entwicklerseite.
Unter Debian ließ sich gphoto2 nur als root ausführen, da man als User nicht die entsprechenden Rechte hatte um das USB-Device der Kamera zu belegen. Ein Hinzufügen des Users zu der Gruppe plugdev scheint hier die Lösung zu sein. Das geht beispielsweise (als root) mit dem Befehl:
gpasswd -a benutzer plugdevUm die Änderungen zu übernehmen muss man sich neu einloggen.
Der hier beschriebene Lösungsweg ist nur unter Debian unstable getestet und kann bei anderen Distributionen variieren.
Kamera erkennen lassen
Von jetzt an können alle Befehle als User ausgeführt werden. Um zu überprüfen, ob die Kamera von gphoto2 unterstützt wird, muss diese an den Computer angeschlossen und eingeschaltet werden. Liefert folgender Befehl das entsprechende Kameramodell zurück, sollte alles funktionieren:
gphoto2 --auto-detect Modell Port ---------------------------------------------------------- Canon EOS 350D usb: Canon EOS 350D usb:001,005
Eine Liste von unterstützten Modellen liefert der Befehl:
gphoto2 --list-cameras
Bilder auflisten
gphoto2 -L Es gibt 4 Dateien im Verzeichnis »/store_00000001/DCIM/201CANON«. #1 IMG_0141.JPG 2285 KB 3456x2304 image/jpeg #2 IMG_0142.JPG 2886 KB 3456x2304 image/jpeg #3 IMG_0143.JPG 2814 KB 3456x2304 image/jpeg #4 IMG_0144.JPG 2807 KB 3456x2304 image/jpeg
Es sind also vier Fotos auf der Speicherkarte, die sich einzeln oder komplett in einem Rutsch herunterladen lassen.
Einzelne Bilder herunterladen
Um nur ein bestimmtes Bild herunterzuladen, oder einen Bereich von Bildern, muss man sich an den Bildnummern orientieren, die von gphoto2 beim Auflisten angezeigt werden.
Es wird der Parameter --get-file, oder kurz -p verwendet. Mit dem Bild #1 sieht das dann wie folgt aus:
gphoto2 -p 1 Lade »IMG_0141.JPG« aus Verzeichnis »/store_00000001/DCIM/201CANON«... Speichere Datei als IMG_0141.JPG
Möchte man beispielsweise die Bilder 2 bis 4 herunterladen, gibt man den Bereich mit einem Bindestrich verbunden an, also: „2 – 4″.
Alle Bilder herunterladen
Der Parameter --get-all-files, kurz -P, liest direkt alle Bilder von der Kamera:
gphoto2 -P Lade »IMG_0141.JPG« aus Verzeichnis »/store_00000001/DCIM/201CANON«... Speichere Datei als IMG_0141.JPG Lade »IMG_0142.JPG« aus Verzeichnis »/store_00000001/DCIM/201CANON«... Speichere Datei als IMG_0142.JPG Lade »IMG_0143.JPG« aus Verzeichnis »/store_00000001/DCIM/201CANON«... Speichere Datei als IMG_0143.JPG Lade »IMG_0144.JPG« aus Verzeichnis »/store_00000001/DCIM/201CANON«... Speichere Datei als IMG_0144.JPG
Weitere Befehle werden in der Manpage erklärt.
gtkam
gtkam ist ein grafisches Frontend für gphoto2 und kann im Prinzip das Gleiche, nur für die klickende Userschar.
Kamera anschließen, gtkam starten und auf Aktualisieren drücken, dann sollte die Kamera links in der Leiste erscheinen und man kann die Ordnerstruktur durchblättern und die Fotos herunterladen.
Bilder drehen
Die meisten Kameras speichern in den Exif-Daten eines jeden Fotos, ob es hochkant oder quer aufgenommen wurde. Betrachtet man die Bilder jetzt am Bildschirm, werden aber trotzdem alle Bilder quer angezeigt. Hier hilft vorheriges Drehen der Bilder, und da man das nicht bei jedem Bild manuell machen will, gibt es das wunderbare Programm jhead.
Der Parameter -autorot lässt dann folgendes geschehen:
jhead -autorot *.JPG Modified: IMG_0141.JPG Modified: IMG_0142.JPG Modified: IMG_0144.JPG
Es werden also alle Dateien, die auf .JPG enden auf ihre Ausrichtung überprüft und ggf. rotiert. In diesem Fall 3 unserer 4 Fotos.
Eine anderer Parameter, der sich ebenfalls mit dem Rotieren von Fotos befasst ist -norot. Er entfernt den entsprechenden Exif-Eintrag um ein Rotieren zu verhindern. Das kann nützlich sein, wenn man die Fotos bereits anderweitig gedreht hat, dies aber nicht vermerkt wurde, da manche Bildbetrachter nach Exif-Daten entscheiden, wie sie das Foto anzeigen sollen.
Da jhead noch einige weitere interessante Funktionen, besonders zur Exif-Manipulation, bietet, lohnt sich ein Blick in die Manpage.
Bilder bearbeiten
GIMP
Das Wohl mächtigste freie Bildbearbeitungsprogramm ist GIMP. Ständig weiterentwickelt ist es mittlerweile eine ernstzunehmende Alternative zu Photoshop von Adobe.
ImageMagick
Für kleinere Manipulation und vorallem für den Einsatz in Scripten eignet sich die Kommandozeilen-Toolsammlung ImageMagick.
Mit dem Befehl convert lassen sich beispielsweise Bilder verkleinern und in ihrer Qualität reduzieren. Folgendes Beispiel erstellt mit einer for-Schleife von jedem Bild im aktuellen Ordner ein kleineres Abbild mit der Breite von 650 Pixeln. Die Höhe wird entsprechend der Breite angepasst.
for i in `ls | grep -i jpg`; do echo $i; convert -resize 650 $i klein_$i; done;
Screenshot erstellen
Dazu wird der Befehl import verwendet. Folgendes Beispiel macht ein Screenshot mit 90% Qualität und speichert ihn in der Form screenshot-YYYY-MM-DD_HH-MM-SS.jpg im aktuellen Ordner:
import -window root -quality 90 screenshot-`date +%Y-%m-%d_%H-%M-%S`.jpg
Eine Übersicht über alle mitgelieferten Befehle bietet die Manpage von ImageMagick (man ImageMagick).
Bilder organisieren
Das Programm gThumb vereint einige wesentliche Funktionen zu einer Anwendung. Es ist ebenfalls in der Lage die Fotos von einer Kamera zu laden, sie ggf. zu Drehen und hilft einen die komplette Fotosammlung zu verwalten.
Hierfür können Fotos in Katalogen abgelegt werden, welche sich wiederrum unterschiedlichen Bibliotheken zuordnen lassen.
Bilder betrachten
Der, meiner Meinung nach, beste Bildbetrachter ist GQview. Er verfügt über alle nötigen Funktionen, wie eine automatische Slideshow, die Verbindung zu externen Anwendungen wie z.B. GIMP, die Anzeige von Exif-Daten und das danach selbstständige Drehen von Fotos, das Vorladen von Folgebildern und diverse Tools zum einpflegen der Bilder in eine Sammlung.
Erwähnenswert besonders für langsamere Systeme ist das selbständige Vorladen des Folgebildes ein interessantes Feature. Dabei wird, während man das aktuelle Bild betrachtet, schon das nächste vorgeladen, was einem einen langen Bildaufbau, besonders bei Bildern ab 8 MP, erspart.
Die entsprechende Einstellung findet sich unter Bearbeiten -> Einstellungen im Reiter Bild. Hier kann auch entscheiden werden, ob vertikal fotografierte Fotos automatisch für die Anzeige gedreht werden sollen.
Fazit
Das Angebotsumfang für freie Software zur Bildbe– und verarbeitung unter Linux steht mittlerweile kommerziellen und vorallem Windowssoftware in nichts mehr nach. Es gibt für fast alles passende Anwendungen und Tools und Teilweise mächtige Komplettlösungen.
Dieser Überblick wurde auf Debian angepasst. Programm– und Paketnamen, Lösungswege, usw. können variieren.
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Sehr schöne Übersicht, danke! Irgendwann werde ichs mit Linux nochmal versuchen. Im Winter hatte ich Ubuntu mal eine Weile, bin aber einfach nicht damit klargekommen. Weil ich halt ein System brauche, mit dem ich schnell und effektiv arbeiten kann… Sicher geht das mit Linux, aber ich hatte einfach nicht die nötige Geduld mich darin einzuarbeiten.
Das wird dir vielleicht noch öfters passieren. Ich hab es auch erst bei der 2. oder 3. Installation lieben gelernt. Ist am Anfang auf jeden Fall ein harter Weg, mit Rückschlägen. Aber es lohnt sich :)
Achja, und natürlich kann man mit Linux schnell und effektiv arbeiten, ich meiner Meinung nach schneller und effektiver.
Mittlerweile kommt mir nichts anderes mehr auf die Platte. Vielleicht virtuell, in VMware, aber mehr nicht.
Du meinst ws Gnome, nicht Linux ;-)
In Kubuntu/Kde gibt’s digikam, damit macht man wirklich alles, Kamera erkennen, runterladen, raufladen, sortieren, editieren, batch, inklusive tag etc. Gimp ist da auch überflüssig.
Nein, meine ich nicht. Die vorgestellten Kommandozeilen Tools orientieren sich an keinen Windowmanager.
Und Gimp für professionelle Bildbearbeitung nicht durch eine Anwendung wie digikam oder gthumb ersetzbar.
Danke für diese schöne Zusammenfassung und deine Tipps mit jhead und ImageMagick.
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