Ich habe die Musterung hinter mir. Den Ablauf grob zusammengefasst findet sich unter „weiterlesen“.
Letzteres zuerst. Meine Musterung fand, wie für wahrscheinlich alle Kölner, im Kreiswehrersatzamt Köln in der Brühler Straße 309 statt. Ein „wunderschönes“ Hochhaus gegenüber vom Heeresamt. Bei google maps ganz gut zu erkennen. Für die Anreise hab ich mir die Buslinie 112 der KVB bis zur Haltestelle „Zollstock/Südfriedhof“ gechartert. Angekommen an eben dieser Haltestelle, wollte ich an einem Kiosk nach dem Weg fragen: In welche Richtung —
, Gerade aus runter, dann irgendwann rechte Seite Brühler Straße, dann auf der linken Seite.
Der wurde nicht zum ersten mal gefragt.
Die Musterung selber ist eine Wanderung durch diverse Wartezimmer. Zuerst wartet man, bis man aufgerufen und befragt wird. So wird unter anderem aus gegebenenfalls dem Verweigerungswunsch, persönlichen Interessen oder der Religionszugehörigkeit ein umfassender Datensatz erstellt. Weiter geht’s in nächste Wartezimmer, wo man einen Zettel zum Drogenkonsum ausfüllt und bei Aufruf diesen in ein Labor zur Urinprobe mitnimmt. Hier fertig bekommt man eine Mappe mit einer Wegbeschreibung zum nächsten Wartezimmer in die Hand gedrückt. Auf der Mappe ist neben der Wegbeschreibung und dem Namen des behandelnden Arztes (in etwa) folgender Text abgedruckt: Für Rückfragen zu Ihrer Untersuchung versuchen Sie sich wenigstens (!) an das unten abgebildete Bild einzuprägen
. Wie ist das denn bitte gemeint?
Bei Aufruf geht es in ein kleines Behandlungszimmer, wo dann gleich die so gefürchtete Untersuchung stattfindet. Den, wie der Arzt es sagte unangenehmen Teil
inklusive. Husten! Hier bekommt man dann auch die resultierende Tauglichkeitsstufe genannt, T2 bei mir. Soll heißen verwendungsfähig mit Einschränkungen
. Bei mir fällt raus: Elektronische Instandsetzung 1, 2 und 5, Nachschubdienst 3
und der Einsatz im Wachbataillon
. Die Gründe für die Einstufung zur T2 begründete der behandelnde Arzt mit meiner zu geringen Größe — für T1 ist 1.80m vorgeschrieben — und feuchte Handflächen, was natürlich die Untauglichkeit für Elektronische Instandsetzung
begründen könnte. Ansonsten entzieht sich die Auswahl jeglichem Verständnis meinerseits.
Hier fertig geht’s wieder zurück in das erste Wartezimmer, bis man aufgerufen wird und in einem Büro noch ein paar Unterlagen ausgehändigt und eventuelle Fragen beantwortet bekommt. Zu den Unterlagen gehört auch ein Zettel über Datenschutz, da ja einiges an Daten gesammelt wurde.
Nach Ihrer Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer bleiben die zu Ihrer Person in der Datei der anerkannten Kriegsdienstverweigerer gemäß Paragraph 36 Abs. 5 des Zivildienstgesetzes (ZDG) auch nach Beendigung des Zivildienstverhältnisses solange gespeichert, wie dies insbesondere zur Erfüllung der Dienstpflicht und aus versorgungsrechtlichen Gründen erforderlich ist. Eine Löschung erfolgt spätestens bei Vollendung Ihres 60. Lebensjahres.
Na, immerhin.
Wie sich schon erschließen lässt, habe ich natürlich den Dienst an der Waffe verweigert.
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